Wir sind alle gleich …

Ich könnte mich ja schon wieder aufregen!

Dabei fing der Artikel neulich in meiner Tageszeitung wirklich gut an: Das Bundesverwaltungsgericht hatte entschieden, dass die Hansestadt Bremen die Polizeikosten für ein Hochrisiko-Fußballspiel von Werder Bremen zurückfordern darf. Find’ ich gut, muss ich sagen. Okay, zugegeben, ich bin nur so ein Sporadischer, so ein WM-Gucker eben. Aber es kann ja nicht angehen, dass die Gesamtheit der Steuerzahler dafür aufkommt, dass sich manche Fans von Fußballvereinen untereinander die Köpfe einschlagen wollen. Und das nur, weil der eine vielleicht das Wort “Tanne” anders ausspricht als der andere. Oder so.

Wenn die Vereine unglaubliche Millionensummen für ihre Spieler ausgeben, dann können sie auch die paar hunderttausend Euro Polizeikosten bei Risikospielen übernehmen, oder? Das Geschäftsmodell Profifußball haben sie sich schließlich selbst ausgesucht. Also sollen sie bitteschön für die Kosten haften, die dieses Geschäftsmodell verursacht. Ihre Gewinne behalten sie ja auch und spenden sie nicht der Öffentlichkeit.

Also, was ich sagen will: Eigentlich hätte es ein schönes Frühstück werden können.

Doch leider wohne ich nicht in Bremen, sondern in Niedersachsen. Und deshalb hat meine Tageszeitung die Meinung der niedersächsischen Landesregierung zu diesem Thema abgedruckt. Das heißt, es wurde Boris Pistorius zitiert, seines Zeichens Innenminister von Niedersachsen. Und von der SPD. Die in diesem Bundesland in vielen Dingen so eine Art rot angepinselte CDU ist. Alles Makulatur sozusagen. Lange Rede, schwacher Sinn: Das Land Niedersachsen will sich auch in Zukunft solche Kosten nicht von den Vereinen, genauer gesagt: Hannover 96, zurückholen.

Ob dieser Verschleuderung von öffentlichen Geldern kam mir unwillkürlich meine Blutdrucktablette in den Sinn. Doch da kannte ich die Argumentation des Herrn Pistorius noch nicht: Die Vereine der beiden Bundesligen und die DFL zahlten schließlich „enorme Steuern jedes Jahr”. Tja, an dem Punkt habe ich sie dann genommen, die Tablette.

Ich muss schon sagen: Eine interessante Vorstellung vom Gemeinwesen unserer Demokratie hat er, unser Herr Innenminister. Und vom Grundgesetz. In dem wir doch alle gleich sind. Okay, dass wir das nicht sind, hat natürlich inzwischen der letzte Depp in diesem Land gemerkt. Bemerkenswert ist allerdings die Selbstverständlichkeit und Chuzpe, mit der ein Innenminister das heutzutage öffentlich ausspricht. Und aussprechen darf.

Es hängt bei Herrn Pistorius also davon ab, wie viel Steuern man zahlt, ob man für einen selbst verursachten Polizeieinsatz zur Kasse gebeten wird: Bei „enormen” Steuern ist man fein raus. Nur: Was ist „enorm”? Und: Wer legt das fest? Und werden hinterzogene Steuern wenigstens bei der Berechnung in Abzug gebracht?

Oder darf jetzt jeder öffentliche Kosten verursachen? Je nach Höhe der eigenen Steuerlast natürlich. Cool! Da bekäme ja die Phrase „Ausschöpfen steuerlicher Möglichkeiten” eine ganz neue Bedeutung.

Wenn das so ist …
Ich glaube, ich frage mal ganz unverbindlich im Innenministerium nach, welches Polizeiaufgebot denn meiner Steuerlast entsprechen würde. Vielleicht reicht es für einen Flohmarkt bei uns in der Straße. Ich wollte schon lange mal meinen ganzen alten Plunder loswerden. Und zu dem Event lade ich dann Ultras von Hannover 96 und Eintracht Braunschweig ein.

Oder noch besser: Flüchtlinge und Pegida-Anhänger aus Chemnitz. Schließlich möchte ich meine steuerlichen Möglichkeiten voll und ganz ausschöpfen.

 

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