Er ist wieder da

Mann, habe ich gelacht! Meine Frau guckte schon ganz komisch. Nach dem Motto: Seit wann ist meine bessere Hälfte denn am Frühstückstisch so gut gelaunt? Sonst nölt der Kerl doch beim Zeitunglesen immer so rum.

Stimmt ja eigentlich. Und dem regelmäßigen Leser meiner Artikel ist das sicherlich nicht verborgen geblieben. Doch heute morgen war es einfach zu lustig, was da in der Zeitung stand. Weil an Naivität nicht mehr zu überbieten. Wahrscheinlich aber hält der Verantwortliche das für großen Enthüllungsjournalismus.

Der betreffende Artikel fing so an:
„In der CDU häufen sich Hinweise darauf, dass die überraschende Rückkehr von Friedrich Merz auf die politische Bühne hinter den Kulissen von langer Hand geplant war.”

Wow! Wer hätte das gedacht?
Hallo? Der Merz ist doch (leider) nicht blöd. Oder glaubte der Schreiber des Artikels bisher ernsthaft, der hat die Nachricht vom Rückzug Merkels zufällig im Radio gehört? Und hat sich dann einfach so gedacht: Ach, das trifft sich gut. Ich bin bei BlackRock zurzeit nicht so recht ausgelastet, da könnte ich mich ja eben mal kurz für den CDU-Parteivorsitz bewerben.

Tja, die Medien … Die spielen ohnehin wieder mal die willfährigen Helferlein für die konservativen Kreise. Was für ein Hype! Meine Tageszeitung zum Beispiel opferte dem Merz sage und schreibe zwei ganze Seiten. Und zwar nicht irgendwelche, nein, Seite 2 und 3 mussten es schon sein. Und in den öffentlich-rechtlichen Nachrichten wird er auch schon mal als „Macher” gepriesen. Klingt doch erstmal positiv, nicht wahr? Bis einem einfällt, dass beispielsweise Trump ebenfalls einer ist …

Eine Pressekonferenz hat der Merz natürlich auch gleich abgehalten. Bei der deutlich wurde: An mangelndem Selbstbewusstsein leidet er (immer noch) nicht – vorsichtig ausgedrückt. Außerdem machte er gleich klar, wes Geistes Kind und fleißiger Diener er ist. Er vertrat nämlich die Meinung, dass zu wenige Menschen in Deutschland Aktien besitzen. Und dass andere Länder „da schon viel weiter sind als wir”. Aha.

Möglichst viele Aktionäre im Land haben? Was ist das denn für ein Ziel? Ein volkswirtschaftlich sinnvolles ist es jedenfalls nicht. Und könnte in dieser Hinsicht gut Schuldenbremse und Schwarzer Null den Rang ablaufen. Will sagen: Rangiert eher unter „volkswirtschaftlicher Schwachsinn”. Und diese Begründung erst: Weil andere Länder schon viel weiter sind. Einfach köstlich!
So etwas kann auch nur ein Vertreter der Finanzindustrie als ernsthafte Zielsetzung formulieren. Es ist allerdings schon beängstigend, wie dreist diese Leute heutzutage bereits sind und offenbar auch sein dürfen. Denn: Wie war das noch gleich mit den Interessenkonflikten?

Das ist ungefähr so, als wenn Jens Spahn beim Bundesverband der Schönheitschirurgen auf der Lohnliste stünde und als bundespolitisches Ziel ausgeben würde, dass doch bitteschön viel mehr Bundesbürger sich die Nase richten lassen sollten. Warum? Na, schließlich machen das die Amis ja auch.

Außerdem bezeichnete Friedrich Merz sich selbst als „überzeugten Transatlantiker”. Das war natürlich ebenso wenig eine Überraschung. Macht mir aber ebenso viel Angst.

Denn was bedeuten allein diese beiden Aussagen von Friedrich Merz?
Mit ihm als CDU-Vorsitzenden und womöglich nächstem Bundeskanzler darf und wird die Finanzindustrie unser Land noch stärker plündern als bisher. Und Deutschland wird den USA noch stärker in den Hintern kriechen. Und somit die Spannungen mit Russland weiter anheizen.

Jetzt weiß ich wieder genau, warum ich damals froh war, dass sie Friedrich Merz als Fraktionschef und potenziellen Kanzlerkandidaten geschasst hatten! Dieses Musterexemplar von Braucht-kein-Mensch-gut-dass-der-weg-ist-Politiker.

Ich glaube, jetzt hilft nur noch eines: Merz Spezial Dragees.
Denn er ist wieder da.

 

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