Das Macronrona-Virus

Ich muss zugeben, auch ich wollte Hamsterkäufe machen, war geradezu wild entschlossen. Corona lässt grüßen …

Doch, was soll ich sagen? Das ging richtig in die Hose. In jedem Laden bekam ich – mehr oder weniger – dieselbe Auskunft: „Lieber Mann, da hätten Sie etwas früher aufstehen müssen. Hamster sind aus. Jetzt kann ich Ihnen nur noch Meerschweinchen anbieten.” Manchmal waren es auch Papageien. Allerdings stehe ich nicht so sehr auf Dummschwätzer. Davon sieht und hört man in den täglichen Nachrichten schon genug, finde ich. Besonders, wenn es um Politik geht. Immerhin: In einem Geschäft hätte ich noch eine Kobra erwerben können. Der Verkäufer konnte mir aber nicht glaubhaft versichern, dass sich das niedliche Tierchen von meiner Querflöte bezirzen lassen würde. Und so habe ich dankend abgelehnt. Die Schlange erinnerte mich ohnehin zu sehr an Friedrich Merz. Dann doch lieber eine Wellhornschnecke.

Im Ernst, wofür das Corona-Virus inzwischen so alles herhalten muss, ist schon erstaunlich. Für jede Menge mehr oder weniger flache Witze ohnehin – siehe oben. Aber auch die Forderung nach Konjunkturprogrammen hat jetzt wegen Corona ihrerseits selbst Konjunktur. Seltsamerweise vielfach bei Leuten, die solche Maßnahmen sonst normalerweise als „Strohfeuer, die nichts bringen”, abqualifizieren.

Die SPD will die Abschaffung des Solis nun zeitlich vorziehen. Um schon jetzt die Nachfrage anzukurbeln, heißt es. Statt erst im nächsten Jahr. Das Problem ist nur: das wird in diesem Jahr ebenso wenig bringen wie es im nächsten gewirkt hätte. Bei der Konsumnachfrage jedenfalls. Denn: diejenigen, denen die Soli-Abschaffung eine nennenswerte Entlastung beschert, haben das gar nicht nötig. Will heißen: diese Einkommensgruppen werden deshalb bestimmt nicht ihr Konsumverhalten ändern. Weil sie sich meist ohnehin alles leisten können, was sie wollen. Und die Bezieher kleiner Einkommen zahlen ohnehin so wenig – oder gar keinen – Soli, dass sich dessen Abschaffung ebenfalls nicht großartig nachfragesteigernd auswirken wird.

Naja, egal. Hauptsache, Olaf „Nulli” Scholz kann eine Steuerentlastung für die Bürger verkünden. Sozialdemokratische Ehrensache, dass dabei diejenigen, die ohnehin das Meiste haben, auch am meisten hinzubekommen. Dazu passt dann auch wunderbar die Forderung von CDU und FDP/AfD, den Soli für alle abzuschaffen, auch für die einkommensstärksten 10%. Die „Leistungsträger” eben. Das ewige Märchen …

Seltsam ist aber vor allem, wofür das Corona-Virus nicht herhalten muss. Zum Beispiel für ein klares Verbot aller Großveranstaltungen, um die Verbreitung des Virus’ wirksam einzudämmen. Stattdessen gibt der selbst ernannte Reiseleiter aller ausländischen Pflegekrafttouristen Jens Spahn nur Empfehlungen ab, sodass Veranstalter über Durchführung oder Absage selbst entscheiden können. Immerhin zeigt unsere Bundesregierung damit endlich mal eine klare Haltung – und ihre wahre Gesinnung: Der Profit Weniger geht vor Gesundheit und Leben Vieler. Und Verbote haben in einer Marktwirtschaft schon gar nichts zu suchen.

Da ist man im Königreich von Emmanuel I. schon weiter – und um einiges konsequenter. Die folgenden Nachrichten kamen übrigens in den deutschen Qualitätsmedien nicht vor – das müssen die wohl vor lauter Russland-Bashing übersehen haben. Wie auch immer.
Jedenfalls hat die Regierung in Frankreich wegen Corona letztens die Versammlungsfreiheit eingeschränkt. Gleichzeitig wurde beschlossen, die beim Volk verhasste Rentenreform über eine Art Winkelzug nunmehr schnellstmöglich durchzupeitschen. Ich schätze mal, da kam dem Macron das Corona-Virus gerade recht. Vielleicht sollte man es umtaufen in „Macronrona-Virus”. Denn – das war übrigens auch nicht in den deutschen Leitmedien zu finden – bei den Gelbwesten hatte Macron zur Abschreckung noch zahlreichen Demonstranten Augen und andere Körperteile von der Polizei zerschießen zu lassen. Da ist sein neuer Weg, Massenversammlungen von vornherein gesetzlich zu erschweren, doch wesentlich eleganter, oder?

Tja, immer très chic, diese Franzosen.
Das ist zynisch, sagen Sie?
Ich sage: Herzlich willkommen in der Realität.

 

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